Ratgeber · Praxis und Wissenschaft
Sekundärzitate: wann „zitiert nach“ erlaubt ist
Ein Sekundärzitat übernimmt eine Stelle, die Sie nur aus einem anderen Werk kennen. Das ist erlaubt, wenn Sie es offen sagen und das Original nicht beschaffen können. Dieser Ratgeber zeigt die Schreibweise je Stil und die Grenzen.
Was ein Sekundärzitat ist
Sie lesen ein Buch von Schmidt (2020) und finden dort eine Aussage von Müller (1999). Das Original von Müller haben Sie nicht gelesen. Wenn Sie die Aussage verwenden, übernehmen Sie sie aus zweiter Hand. Das nennt man Sekundärzitat. Die Wissenschaft behandelt es als Ausnahme, weil Sie sich auf die Wiedergabe eines anderen verlassen.
Wann es erlaubt ist
Erlaubt ist es, wenn drei Bedingungen zusammenkommen. Das Original ist nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand zugänglich, zum Beispiel vergriffen oder in einer unbekannten Sprache. Sie legen offen, dass Sie es nur über die andere Quelle kennen. Und Sie verlassen sich nicht blind auf die Wiedergabe, sondern prüfen, ob sie plausibel ist.
Ist das Original erreichbar, lesen Sie es. Das gilt als guter wissenschaftlicher Standard.
So sieht es je Stil aus
Die Beispiele zeigen den Beleg im Text für eine Aussage von Müller (1999), gelesen bei Schmidt (2020) auf Seite 15.
- APA 7: (Müller, 1999, zitiert nach Schmidt, 2020, S. 15). Im englischen Original steht „as cited in“. Im Literaturverzeichnis steht nur Schmidt (2020).
- MLA 9: (qtd. in Schmidt 15), auf Deutsch „zit. n. Schmidt 15“. Im Verzeichnis steht Schmidt.
- Harvard nach Cite Them Right: (Müller, 1999, cited in Schmidt, 2020, p. 15).
- Chicago im Autor-Jahr-System: (Müller 1999, quoted in Schmidt 2020, 15).
- Deutsche Zitierweise: Fußnote, zum Beispiel: Max Müller: Titel, Ort 1999, S. 4, zitiert nach: Erika Schmidt: Titel, Ort 2020, S. 15. Viele Lehrstühle schreiben hier genau vor, ob beide Werke im Verzeichnis stehen.
Die genaue Schreibweise ist von Hochschule zu Hochschule verschieden. Maßgeblich bleibt Ihr Merkblatt.
Die Grenzen
Zu viele Sekundärzitate wirken in einer Arbeit unsauber. Prüfer lesen sie als Hinweis, dass die Primärliteratur nicht erschlossen wurde. Bei zentralen Autoren Ihres Themas sollten Sie das Original kennen.
Übernehmen Sie nie die Literaturangabe aus der Sekundärquelle, ohne das Werk zu prüfen, wenn Sie es als gelesen ausgeben. Das wäre eine Täuschung und kann als Plagiat gelten, siehe den Ratgeber Plagiat vermeiden.
Worauf es ankommt
Sekundärzitate sind erlaubt, wenn Sie sie offenlegen und das Original nicht beschaffen können. Verwenden Sie die Schreibweise Ihres Stils und prüfen Sie, welche Werke Ihr Lehrstuhl im Verzeichnis sehen will. Den Beleg für das gelesene Werk erzeugt der Zitat-Generator.
FAQ
Häufige Fragen
Wann ist ein Sekundärzitat erlaubt?
Wenn das Original nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand zugänglich ist und Sie offenlegen, dass Sie es nur über eine andere Quelle kennen. Ist das Original erreichbar, lesen Sie es und zitieren Sie es direkt.
Welche Quelle kommt ins Literaturverzeichnis?
In APA nur die Quelle, die Sie tatsächlich gelesen haben, also die Sekundärquelle. Die Deutsche Zitierweise und viele Lehrstühle verlangen die Angabe beider Werke in der Fußnote. Folgen Sie dem Merkblatt Ihres Lehrstuhls.
Darf ich ein Sekundärzitat als wörtliches Zitat übernehmen?
Ja, wenn Sie es als solches kennzeichnen. Prüfen Sie aber, ob die Stelle in der Sekundärquelle korrekt wiedergegeben ist. Fehler pflanzen sich sonst fort.
Erzeugt der Generator Sekundärzitate?
Nein. Er bildet den Beleg für eine Quelle. Den Zusatz „zitiert nach“ ergänzen Sie selbst nach dem Muster Ihres Stils.
Quellen