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Ratgeber · Quellen & IDs

DOI, ISBN, ISSN — korrekt zitieren

Eine Quelle ohne stabile Kennung verliert binnen weniger Jahre die Hälfte ihrer Auffindbarkeit. DOI, ISBN und ISSN sind die drei wichtigsten Kennungen, mit denen wissenschaftliche Quellen langfristig adressierbar bleiben. Dieser Ratgeber zeigt, wie du sie findest, prüfst und stilkonform in dein Literaturverzeichnis einbaust.

6 Min Lesezeit 1.349 Wörter 5 FAQs
Mateusz Viola
Mateusz ViolaBetreiber & Redakteur
Geprüft am

Was die drei Kürzel überhaupt bezeichnen

DOI, ISBN und ISSN sind keine Citation-Styles, sondern Identifier — also stabile Kennungen, mit denen eine Quelle dauerhaft auffindbar bleibt. Sie ersetzen keine Quellenangabe, sondern ergänzen sie um einen verifizierbaren Anker. Wer eine Quelle mit korrekter Kennung zitiert, gibt der Leserin oder dem Leser die Möglichkeit, die Quelle in 20 Jahren noch zu finden, auch wenn der Verlag pleitegegangen oder die Webseite umgezogen ist.

DOI steht für „Digital Object Identifier” und ist die jüngste der drei Kennungen (eingeführt 1998). Eine DOI sieht aus wie 10.1037/0033-2909.130.6.866 — ein Präfix beim Schrägstrich, das die Vergabestelle identifiziert, und ein Suffix, das der jeweilige Verlag frei vergeben darf. Aufgelöst wird sie über den Resolver doi.org, also https://doi.org/10.1037/0033-2909.130.6.866. DOIs werden vor allem an Zeitschriftenartikel, einzelne Bücher und neuerdings auch Konferenzbeiträge vergeben.

ISBN steht für „International Standard Book Number” und identifiziert Bücher und Monografien als ganze Werke (1970 eingeführt). Die heute übliche Form ist ISBN-13 mit dreizehn Ziffern, beginnend mit 978 oder 979. Eine ISBN bezieht sich auf eine konkrete Ausgabe in einer konkreten Bindung — Hardcover, Taschenbuch und E-Book desselben Buchs haben unterschiedliche ISBNs.

ISSN steht für „International Standard Serial Number” und identifiziert Zeitschriften, Jahrbücher und andere Reihen als Ganzes (1971 eingeführt). Eine ISSN hat acht Ziffern, geschrieben in zwei Vierergruppen mit Bindestrich (zum Beispiel 1471-0064). Die einzelne Ausgabe einer Zeitschrift hat keine eigene ISSN — die hat die Reihe insgesamt.

DOI, ISBN, ISSN im Vergleich — wofür welche Kennung steht DOI für Artikel 10.1037/abc.123 vergeben pro Werk- einheit, auflösbar über doi.org ISBN für Bücher 978-3-658-12345-7 pro Ausgabe und Bindung; HC, PB, E-Book separat ISSN für Zeitschriften 1471-0064 pro Reihe insgesamt, nicht pro Ausgabe oder Artikel
Welche Kennung wofür gilt und wie sie typischerweise aussieht.

Wo du die jeweilige Kennung findest

Beim Buch ist die ISBN fast immer auf der Rückseite der Titelseite (Impressums-Seite, unter dem Verlagsnamen) und in der Regel auf der Buchrückseite über dem Barcode. Bei E-Books steht sie häufig im Impressum oder bei den Metadaten der digitalen Datei. Wenn ein Buch zwei ISBNs nennt — eine zehnstellige und eine dreizehnstellige — nimm die ISBN-13.

Beim Zeitschriftenartikel suchst du nicht nach einer ISBN, sondern nach der DOI des Artikels und (optional) der ISSN der Zeitschrift. Die DOI steht meist auf der ersten Seite des Artikels (PDF), bei Online-Versionen oft direkt unter dem Titel. Die ISSN findest du im Impressum der Zeitschrift, häufig auf der zweiten oder dritten Seite des Hefts oder online unter „Über diese Zeitschrift”.

Beim Sammelband-Beitrag ist die ISBN die ISBN des Sammelbands, nicht des einzelnen Beitrags. Beiträge bekommen in der Regel keine eigene DOI, es sei denn der Verlag vergibt eine — was bei großen Verlagen (Springer, Elsevier, Wiley) seit etwa 2015 zunehmend üblich ist. Wenn der Beitrag eine eigene DOI hat, gib sie an; wenn nicht, reicht die ISBN des Sammelbands.

Bei Konferenzbeiträgen kommt es darauf an, wie der Beitrag publiziert wurde. Wenn die Konferenz Proceedings als Buch herausgibt: ISBN des Sammelbands. Wenn die Proceedings als Sonderheft einer Zeitschrift erscheinen: ISSN plus DOI des einzelnen Beitrags. Wenn der Beitrag nur als Preprint auf einer Server-Plattform (arXiv, SSRN, Zenodo) liegt: arXiv-ID oder Zenodo-DOI.

Wie du die Kennung validierst

Eine DOI muss mit 10. beginnen, gefolgt von vier oder mehr Ziffern (das Präfix), einem Schrägstrich und einem beliebig langen Suffix. Reguläre DOIs lassen sich am einfachsten validieren, indem du sie an doi.org anhängst und schaust, ob ein Werk aufgelöst wird. Crossref hat unter api.crossref.org/works/{doi} eine offene API, die JSON zurückgibt — das ist die Standardquelle, gegen die viele Zitat-Tools (auch zitat-generator.de) Lookups laufen lassen.

Eine ISBN hat eine Prüfsumme. Bei ISBN-13 wird jede zweite Ziffer mit 3 multipliziert, der Rest mit 1, die Summe muss durch 10 teilbar sein. Bei ISBN-10 läuft das ähnlich mit Gewichten 10, 9, 8, …, 1 und Modulo 11. Wer die Prüfsumme von Hand rechnet, kommt mit einem Taschenrechner in zehn Sekunden zum Ergebnis — Zitat-Generatoren machen das automatisch und melden eine Warnung, wenn die Prüfsumme nicht passt.

Eine ISSN besteht aus sieben Ziffern plus einer Prüfziffer (die letzte Stelle, kann auch X sein). Auch hier gibt es eine Modulo-11-Prüfsumme. Die ISSN International selbst betreibt ein öffentliches Portal (portal.issn.org), in dem sich jede ISSN zur Titelinformation auflösen lässt.

Wie die Kennung in den jeweiligen Style einfließt

In APA 7th kommt die DOI ans Ende der Quellenangabe, in der Form https://doi.org/10.xxxx/yyyy (also als URL, nicht nur die DOI selbst). Bei Büchern erscheint die ISBN in APA 7th nicht — APA hat sie seit der 6. Edition entfernt. ISSN ebenfalls nicht.

In Harvard nach Cite Them Right kommt die DOI ebenfalls ans Ende, oft mit dem Wortlaut „Available at: https://doi.org/…”. ISBN und ISSN sind in CTR optional und werden in der Praxis selten angegeben.

In Chicago 17th (Author-Date-Variante) wird die DOI ans Ende gestellt, ähnlich wie bei APA. Notes-Bibliography führt sie ebenfalls am Ende der bibliografischen Vollangabe.

In der Deutschen Zitierweise nach DIN ISO 690 ist die DOI inzwischen Standard für elektronische Quellen. ISBN wird bei Buchquellen häufig erwartet, vor allem bei Hochschularbeiten an Fachhochschulen, die Wert auf Auffindbarkeit legen.

In MLA 9th wird die DOI in der vereinheitlichten „Citation-Pattern”-Struktur als letztes Element angegeben (Container-Konzept). ISBN kommt im MLA-Format praktisch nicht vor.

Was tun, wenn die Kennung fehlt

Nicht jede Quelle hat eine DOI, manche Bücher (vor allem ältere oder Selbstverlage) keine ISBN. Das ist kein Beinbruch — sondern eine Aufforderung, die Quelle umso vollständiger anders zu beschreiben: Verlagsort, Verlag, Erscheinungsjahr, Auflage. Bei Online-Quellen ohne DOI: URL plus Abrufdatum.

Eine Quelle, die weder DOI, noch ISBN, noch ISSN, noch verifizierbaren Verlag hat (klassische Fall: ein PDF auf einer Personal-Webseite), gilt akademisch als „graue Literatur”. Sie kann zitierfähig sein, vor allem wenn der Autor renommiert ist, aber sie ist nachweislich schwächer als eine peer-reviewte Quelle. Wenn du eine Aussage nur mit grauer Literatur belegen kannst, suche zuerst eine Sekundärquelle, die dieselbe Aussage zitierfähig stützt.

Wenn die Kennung sich später ändert

DOIs sind in der Theorie unveränderlich — in der Praxis kommt es vor, dass ein Verlag eine DOI zurückzieht (etwa bei Retraction Notices). Dann landet die Auflösung auf einer Retraction-Seite, nicht auf dem ursprünglichen Artikel. Das ist kein Bug, sondern ein Feature: wer eine zurückgezogene Quelle zitiert, wird durch den DOI-Resolver darauf hingewiesen.

ISBNs einer Neuauflage sind neue ISBNs. Wer die zweite Auflage zitiert, nimmt deren ISBN, nicht die der ersten. Bei E-Books mit demselben Inhalt aber unterschiedlichen Formaten (EPUB vs. Kindle) vergeben manche Verlage separate ISBNs, andere nutzen eine gemeinsame. Im Zweifel die ISBN der Quelle nehmen, mit der du tatsächlich gearbeitet hast.

ISSNs ändern sich, wenn eine Zeitschrift umbenannt wird oder ihren Trägerverlag wechselt. Die alte ISSN bleibt für die alten Jahrgänge gültig, die neue gilt ab dem Umbenennungs-Datum. Bibliotheken pflegen Concordance-Listen, die alte und neue ISSN verknüpfen.

Worauf es ankommt

Die Kennung gehört zur Quelle, nicht zum Citation-Style. DOI ist heute Pflicht-Standard für Online-Artikel, ISBN für Bücher (außer in APA 7th), ISSN bei Zeitschriften nur bei expliziter Vorgabe. Validieren lohnt sich — eine zerstrittene Prüfsumme im Literaturverzeichnis ist eine der Stellen, an denen Prüferinnen am schnellsten Schlampigkeit erkennen.

FAQ

Häufige Fragen

Muss ich die DOI bei jedem Online-Artikel angeben?

Wenn eine DOI vorhanden ist, ja — in allen modernen Styles (APA 7th, Harvard CTR, Chicago 17th). Eine DOI ist stabiler als jede URL, weil sie auf einen persistent gepflegten Resolver verweist (doi.org), nicht auf eine konkrete Webserver-Adresse. Wenn ein Artikel sowohl URL als auch DOI hat, gibt der Style fast immer die DOI an, nicht beides.

Wo finde ich die DOI eines Artikels?

In Online-Datenbanken (PubMed, Web of Science, Google Scholar, ResearchGate) steht die DOI üblicherweise im Trefferdatensatz, oft unter dem Titel. Auf dem PDF des Artikels selbst findet sie sich auf der ersten Seite, häufig im Header oder im Footer. Wenn du nur den Titel hast: api.crossref.org löst Titel zu DOIs auf, das ist auch die Quelle, die viele Zitat-Generatoren nutzen.

Wie unterscheide ich ISBN-10 von ISBN-13?

ISBN-10 hat 10 Ziffern (mit X als möglicher Prüfziffer), ISBN-13 hat 13 Ziffern und beginnt mit 978 oder 979. Seit 2007 wird offiziell ISBN-13 vergeben, ältere Bücher haben aber noch ISBN-10. Beide sind eindeutig, beide gültig — wenn beide auf einem Buch stehen, nimm die ISBN-13 (sie ist die jüngere und entspricht international der GTIN-Norm).

Was tun, wenn ein Sammelband eine ISBN hat aber der einzelne Aufsatz keine eigene Kennung?

Das ist der Normalfall. Beiträge in Sammelbänden zitieren sich nach dem Schema: Autor des Aufsatzes, Aufsatztitel, „in:" Herausgeber, Titel des Sammelbands, Seitenzahlen, Verlagsort, Verlag, Jahr — und die ISBN bezieht sich auf den Sammelband, nicht auf den Aufsatz. Die ISBN gehört in die Angabe des Sammelbandes.

Ist eine ISSN bei Zeitschriftenartikeln Pflicht?

In APA 7th und Harvard CTR ist die ISSN nicht zwingend, weil sich Zeitschriften über ihren Namen, Jahrgang und Heft eindeutig identifizieren lassen — und über die DOI des konkreten Artikels noch eindeutiger. Bei Zeitschriften ohne DOI (häufiger im deutschsprachigen Raum bei kleineren Fachjournals) hilft die ISSN trotzdem bei der Verifikation. Manche Hausstile verlangen sie explizit; im Zweifel den Lehrstuhl-Leitfaden prüfen.

Quellen

Worauf dieser Ratgeber sich stützt

Veröffentlicht · zuletzt geprüft
Verantwortlich: Mateusz Viola