Ratgeber · Citation-Styles
APA vs. Harvard — wann nimmt man was?
APA und Harvard sehen auf den ersten Blick gleich aus — beide nutzen das Author-Date-Prinzip. Bei genauerem Hinsehen unterscheiden sich Interpunktion, Reihenfolge, Schreibweise von Autoren und Titel-Behandlung deutlich. Dieser Ratgeber zeigt, wann welcher Style fällig ist und woran du das im Zweifelsfall festmachst.
Was hinter „APA” und „Harvard” wirklich steckt
Beide Styles arbeiten nach demselben Grundprinzip: im Fließtext steht ein kurzer Verweis aus Autorenname und Jahr, im Literaturverzeichnis am Ende die vollständige Quellenangabe. Das ist der gemeinsame Nenner — und alles, was darüber hinausgeht, ist konventionell und unterscheidet sich.
APA ist die Abkürzung für American Psychological Association, ein Verband, der seit 1929 ein Publication Manual herausgibt. Aktuell ist die 7. Auflage von 2020 verbindlich, und sie ist sehr genau: das Manual hat über 400 Seiten, in denen Interpunktion, Reihenfolge, Behandlung von DOIs, Umgang mit Werken ohne Autor und Hunderte weiterer Sonderfälle festgelegt sind. Wer „APA” sagt, meint heute APA 7th.
„Harvard” hingegen ist kein offizieller Style. Es gibt kein „Harvard Manual of Style”, herausgegeben von Harvard. Der Begriff steht für eine Familie von Author-Date-Styles, die sich historisch aus einer Bibliothekspraxis der Harvard University im späten 19. Jahrhundert entwickelt hat. Wenn jemand heute „nach Harvard zitieren” sagt, meint diese Person üblicherweise einen von mehreren konkreten Style-Guides — am häufigsten Cite Them Right (Pears & Shields) in seiner jeweils aktuellen Auflage, im deutschen Hochschulkontext oft auch die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs).
Die Unterschiede an einem konkreten Beispiel
Nimm denselben Quellenverweis und schreibe ihn in beiden Styles. Das macht den Unterschied schneller sichtbar als jede Tabelle:
Der Fließtext-Verweis nach APA 7th: (Müller, 2023, S. 47). Komma nach dem Namen, Komma vor der Seitenangabe, „S.” als Seitenkürzel. Im Literaturverzeichnis: Müller, T. (2023). Wissenschaftliches Arbeiten in der digitalen Lehre. Springer VS. Familienname Komma Initiale Punkt, Jahr in Klammern, Titel kursiv, Verlag.
Derselbe Verweis nach Harvard (Cite Them Right): (Müller 2023, p.47). Kein Komma nach dem Namen, „p.” als Seitenkürzel, oft kein Leerzeichen vor der Zahl. Im Literaturverzeichnis: Müller, T. (2023) Wissenschaftliches Arbeiten in der digitalen Lehre. Wiesbaden: Springer VS. Jahr ohne Komma davor, Titel kursiv, Verlagsort gefolgt von Doppelpunkt und Verlag.
Wer sich diese beiden Zeilen genau ansieht, erkennt: Kommas, Klammerung und das Seitenkürzel sind die häufigsten Stolperstellen beim Mischen — und sie werden bei automatischer Erkennung im Plagiat-Scanner manchmal als unsauber zitiert markiert, weil die Software den Style nicht eindeutig zuordnen kann.
Welcher Style in welchem Fachbereich
Eine Faustregel-Zuordnung, die in 80 Prozent der Fälle stimmt — den Rest entscheidet immer der konkrete Lehrstuhl:
Psychologie, Erziehungswissenschaften, Sozialwissenschaften: APA 7th. Das ist in diesen Fächern fast international Standard, weil die einschlägigen Fachzeitschriften (Journal of Personality and Social Psychology, Child Development u. v. a.) APA als Einreichungsformat verlangen.
Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften: Harvard, meistens nach Cite Them Right oder einer deutschen Variante. Lehrstühle für BWL/VWL an deutschen Unis nutzen häufig DGPs-light, also Harvard-Author-Date in deutscher Interpunktion.
Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik): entweder fachspezifische Styles (Vancouver in Medizin, ACS in Chemie) oder Chicago Author-Date. APA und Harvard kommen seltener vor.
Geisteswissenschaften (Geschichte, Literatur, Theologie): Fußnoten-Styles dominieren — Deutsche Zitierweise nach DIN ISO 690 oder Chicago Notes-Bibliography. Author-Date wirkt hier ungewohnt.
Rechtswissenschaft: ganz eigene Welt. Die juristische Zitierweise (Verfasser/Titel/Jahr in Fußnoten, mit speziellen Abkürzungen für Gesetzeskommentare und Entscheidungen) ist weder APA noch Harvard. Wer ein Jurastudium beginnt, lernt das im ersten Semester separat.
Ingenieurwissenschaften (Informatik, Maschinenbau): IEEE-Style (nummerierte Verweise) ist hier verbreitet, vor allem in den Bereichen, die international publizieren. An deutschen FHs kommt aber auch Harvard vor.
Entscheidungsbaum für deine konkrete Arbeit
Wenn du gerade an einer Hausarbeit, Bachelor- oder Masterarbeit sitzt und nicht weißt welchen Style du nehmen sollst, geh diese fünf Fragen in dieser Reihenfolge durch:
Erstens, schreibt dein Lehrstuhl oder Studiengang in einem Merkblatt, Modulhandbuch oder Curriculum einen Style vor? Das ist die einzige verbindliche Quelle. Wenn ja: nimm den, fertig. Diskussion vorbei.
Zweitens, falls nein: schreibt deine Betreuerin oder dein Betreuer in einer E-Mail, einem Sprechstundengespräch oder einem Beratungsprotokoll einen Style vor? Auch verbindlich — beziehe dich im Zweifel schriftlich darauf, etwa per E-Mail-Bestätigung.
Drittens, falls auch das fehlt: gibt es im selben Modul eine Mustermusterarbeit oder Referenz-Abschlussarbeit, die als „so soll es aussehen” hochgehalten wird? Den Style übernehmen.
Viertens, falls keine Vorgabe existiert: nimm den fachüblichen Style aus der Liste oben. Psychologie = APA, BWL = Harvard, Geschichte = Deutsche Zitierweise.
Fünftens, dokumentiere deine Entscheidung. In der Einleitung oder als Fußnote zur ersten Zitation einen Satz unterbringen: „Quellenverweise und Literaturverzeichnis folgen APA 7th Edition (American Psychological Association, 2020).” Das spart später Diskussionen mit Prüferinnen, die einen anderen Style erwartet hätten.
Was passiert, wenn du dich später umentscheidest
Im Idealfall nichts. Wer mit einem Zitat-Generator arbeitet, kann den Style nachträglich umschalten und alle Einträge werden frisch formatiert. In der Praxis gibt es aber drei Stolperfallen:
Wenn deine Fließtext-Verweise im Text fest hardcoded sind (also „Müller (2023) schreibt…” als Fließtext-Satz und nicht als klammerinterner Verweis), musst du die Reihenfolge eventuell ändern, weil narrative Citations in APA und Harvard leicht unterschiedlich aussehen.
Wenn du Zitate aus Sekundärquellen verwendest („zitiert nach”), behandeln APA und Harvard die Quellenangabe leicht unterschiedlich. APA verlangt, dass beide Quellen — Original und Sekundärquelle — im Verzeichnis stehen; Harvard regelt das je nach Guide unterschiedlich.
Wenn deine Quellen vor allem online sind (Web-Artikel, PDF-Reports, Konferenzbeiträge ohne Verlag), unterscheiden sich die Behandlung von Abruf-Datum und URL-Position deutlich. APA 7th hat das Abruf-Datum aus den meisten Quellentypen herausgenommen (außer bei stark dynamischen Inhalten wie Wikis); Harvard nach Cite Them Right führt es weiterhin.
Mischformen und Hochschul-Hausstile
Manche Hochschulen haben einen eigenen „Hausstil”, der formal weder APA noch Harvard ist, sondern eine eigene Mischung. Das ist legitim, solange er konsistent durchgehalten wird und auf einem dokumentierten Merkblatt steht. Klassiker:
- APA 7th, aber mit deutscher Anführungszeichen-Konvention („text”) statt englischer (“text”)
- Harvard, aber mit „S.” statt „p.” als Seitenkürzel
- Eine eigene Vorgabe wie „Lehrstuhl Müller — Zitierhinweise (Stand März 2024)”, die zu 90 Prozent APA folgt aber bei Internetquellen abweicht
Diese Hausstile sind für Zitat-Generatoren tückisch, weil das automatisch generierte Format meist 95 Prozent passt — und die letzten 5 Prozent manuell nachkorrigiert werden müssen. Wer das nicht weiß, übernimmt blind und kassiert formal Punktabzug.
Häufige Fallstricke beim Style-Wechsel
Drei Fehler tauchen immer wieder auf, wenn jemand vom einen auf den anderen Style umstellt:
Erstens, die Behandlung mehrerer Autoren. APA 7th nennt bei drei und mehr Autoren im Fließtext nur den ersten plus „et al.” ab der ersten Erwähnung. Harvard nach Cite Them Right schreibt bei drei Autoren immer alle drei aus und nutzt „et al.” erst ab vier. Wer den Style wechselt und das nicht anpasst, hat einen subtilen Fehler im ganzen Text.
Zweitens, der Umgang mit Werken ohne Erscheinungsjahr. APA 7th nutzt „n.d.” (no date) in Klammern, Harvard nutzt meist „o. J.” (ohne Jahr) im deutschsprachigen Kontext. Diese Unterscheidung wird in der Hektik kurz vor Abgabe oft vergessen.
Drittens, die Sortierung im Literaturverzeichnis bei gleichem Autor. APA sortiert chronologisch aufsteigend (älteste zuerst), Harvard nach Cite Them Right ebenfalls — aber manche deutsche Harvard-Varianten kehren das um. Wer hier blind aus dem Generator übernimmt, sortiert manchmal falsch herum.
Worauf es ankommt
Welcher Style: meistens vom Fach und Lehrstuhl vorgegeben — wenn nicht, nach Faustregel oben wählen. Wichtig: die Entscheidung dokumentieren und konsistent durchhalten. Ein zitat-generator.de-Output passt für die ersten 95 Prozent automatisch; die letzten 5 Prozent sind manuelle Detail-Arbeit, die nur du selbst gegen das verbindliche Merkblatt deines Lehrstuhls prüfen kannst.
FAQ
Häufige Fragen
Was ist der wesentliche Unterschied zwischen APA und Harvard?
Beide arbeiten mit Author-Date-Verweisen im Fließtext. APA 7th ist eng spezifiziert (Reihenfolge, Kursivierung, Komma vs. Punkt sind im Publication Manual auf der Seite genau dokumentiert). „Harvard" ist eine Style-Familie ohne offizielles Manual — am häufigsten zitiert nach Cite Them Right 12th Edition (Pears & Shields, 2022). APA hat zum Beispiel das Komma vor dem Jahr im Fließtext ((Müller, 2023)), Harvard meistens nicht ((Müller 2023)).
Welcher Style gilt in Deutschland am häufigsten?
In Deutschland mischt es sich. Geisteswissenschaftliche Fachbereiche bevorzugen die Deutsche Zitierweise (Fußnoten nach DIN ISO 690) oder die Chicago-Notes-Bibliography-Variante. Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an deutschen Unis nutzen oft eine deutsche Harvard-Variante (DGPs-Richtlinien sind hier verbreitet, weichen aber von Cite Them Right ab). Psychologie ist fast überall APA 7th. Maßgeblich ist immer das Merkblatt deines Lehrstuhls.
Darf ich APA und Harvard im gleichen Text mischen?
Nein. Innerhalb einer einzelnen Arbeit muss der Style konsistent durchgehalten werden — von der ersten Fußnote/Klammerverweis bis zum Literaturverzeichnis. Wer mischt, riskiert formale Punktabzüge selbst bei inhaltlich korrekten Inhalten. Wenn du an einem bestehenden Text weiterschreibst, übernimm den vorhandenen Style; wenn du frisch beginnst, lege dich vor dem ersten Zitat fest.
Was tun, wenn meine Hochschule keinen Style vorschreibt?
Das kommt häufiger vor als gedacht, vor allem an Fachhochschulen. Empfehlung: nimm den Style, der in dem Fach üblich ist, das deine Arbeit am stärksten methodisch prägt — also Psychologie/Sozialwissenschaften = APA 7th, Naturwissenschaften = Chicago Author-Date, Geisteswissenschaften = Deutsche Zitierweise oder Chicago Notes-Bibliography. Dokumentiere im Vorwort oder einer Fußnote zur ersten Zitation, welchen Style du gewählt hast.
Wie unterscheide ich verschiedene Harvard-Varianten?
Es gibt mindestens drei verbreitete „Harvards": Cite Them Right (UK-Standard, in der Praxis am häufigsten gemeint), die deutsche DGPs-Richtlinie (Sozialwissenschaften) und die australische Harvard-Variante. Sie unterscheiden sich bei Kleinigkeiten — etwa, ob Vornamen ausgeschrieben oder abgekürzt werden, ob Buchtitel kursiv oder in Anführungszeichen stehen, und wo das Komma im Fließtext landet. Im Zweifel auf der Lehrstuhl-Webseite nach „Zitiervorgaben" suchen.
Quellen